Bahn frei? – Chancen in der Bildungslandschaft erkennen

Bahn frei? – Chancen in der Bildungslandschaft erkennen

Das deutsche Bildungssystem ist flexibel und bietet zahlreiche Wege, einen Schulabschluss, eine Berufsausbildung, eine Hochschulzulassung oder eine Umschulung zu bekommen. Viele Menschen entscheiden sich erst spät für einen Berufswunsch, möchten ein Bachelor-Studium belegen oder sich anderweitig orientieren und kommen damit in eine Zwickmühle von fehlenden Zulassungen, verschiedenen Studienordnungen, hohen Gebühren und dem Scheinbegriff „Chancengleichheit“.

Aktueller Zustand in Deutschland

Für junge Menschen ist es wichtig, einen guten Abschluss bereits in der Schule zu bekommen, da sonst die zukünftige Laufbahn und Karriere gefährdet sein könnten. Mit 15-16 Jahren ist der Ernst der Situation den Jugendlichen noch lange nicht bewusst und auch Berufswünsche sind häufig entweder nicht vorhanden oder utopisch. Ein holpriger Start in das Erwachsenenleben beginnt mit einem unterdurchschnittlichen Schulabschluss, dem Versagen auf der Suche nach der passenden Ausbildung, dem Antreten einer Ausbildung, die unter Umständen gar nicht zu dem jungen Menschen passt, gefolgt von zahlreichen Abbrüchen, Aussetzern und neuen Orientierungen. Bildungsferne Familien bringen häufig nicht die notwendige Motivation, finanzielle Mittel und nötigen Antrieb, um das Kind in die Bildung zu lenken. Beständigkeit hat bei den Deutschen weiterhin enorm viel Priorität: Hauptsache, irgendeine Lehre, Hauptsache handfest.

Damit werden viele junge Menschen sehr unglücklich und schaffen es nicht, eine berufliche Identifikation für sich zu finden.

Handwerksberufe: Die Stützen unseres Alltags

Vor allem Handwerksbetriebe bekommen die legere Einstellung zu spüren, es ist schwer, einen passenden Lehrling zu finden. Ein Auszubildender, der motiviert und talentiert ist und sich in die Arbeit reinkniet, erscheint teilweise kaum noch auffindbar. Unter Anderem ist die Darstellung in der Gesellschaft dafür mitverantwortlich: Das Ansehen der Handwerker ist deutlich niedriger, als vor noch 20 Jahren. Dabei sind viele Handwerksausbildungen komplex und bieten einen soliden Start in die berufliche Laufbahn. Ein Meisterabschluss ist genauso hoch anzusehen, wie ein Hochschulabschluss. Die Annahme, ein abgeschlossenes Hochschulstudium würde mehr Erfolg versprechen, ist so nicht allgemeingültig. Die IFF Industriemeisterschule in Köln und Düsseldorf, die jährlich zahlreiche erfolgreiche junge und ältere Menschen in fünf Meisterkursen unterrichtet, berichtete darüber in einem ausführlichen Artikel „Studium oder Meister?“ aus dem Sommer 2016.

Zweiter Bildungsweg ist eine Alternative

Wer kein Abitur hat, aber dennoch gerne studieren würde, hat einige Möglichkeiten zur Auswahl. Der Weg in eine Fachhochschule oder eine Universität ist nämlich nicht verschlossen. Natürlich kann man ein Abitur nachholen, in dem man eine Abendschule besucht oder ein Fernstudium absolviert, welches in der Regel 3 Jahre dauert, aber auch beschleunigt werden kann. Der große Vorteil ist dabei die Flexibilität: Man muss nicht mehr hauptberuflich die Schulbank drücken, sondern kann den Abschluss neben dem Beruf nachholen, welches aber eine gewisse Disziplin und Organisation voraussetzt.

Ein duales Abitur wäre ebenso eine Möglichkeit: Damit gibt es eine Möglichkeit, gleichzeitig eine Berufsausbildung und den höchsten Schulabschluss zu erhalten. Positiv ist unter anderem die Möglichkeit, während des Abiturs ebenso Geld zu verdienen. Der Zeitaufwand beschränkt sich auf 3 bis 3,5 Jahre je nach Standort.

Manche Bundesländer geben den Menschen die Möglichkeit, auch ohne Abitur zu studieren, dazu gehört z. B. Hamburg. Sogar Studienplätze in Medizin und Jura werden in Kleinstmengen (1-2%) nach dem Absolvieren einer Prüfung in einem großen Wettbewerb an Realschüler mit einer Berufsausbildung abgegeben.

Ebenso in Hamburg ansässige Fernschulen wie die Euro-FH geben Menschen mit und ohne Abitur die Chance, ein vollwertiges Studium zu beginnen, z. B. in Psychologie, BWL oder Informatik. Auch hier haben die Studierenden einen großen Vorteil, das Studium mit dem Beruf und der Familie vereinen zu können. Die Kosten für solch ein Studium sind allerdings hoch: im Durchschnitt bezahlen Studenten rund 350,- € pro Monat über drei Jahre. Das Fernstudium kann an den meisten Schulen verlängert oder verkürzt werden, allerdings können nicht alle Studiengänge belegt werden.

Eine weitere Möglichkeit, ist ein Studium neben einer Berufsausbildung, die unter anderem bei Berufen wie Physiotherapie oder Ergotherapie sehr beliebt ist.

Nimm an der Diskussion teil

Your email address will not be published.