Resümee nach einem Monat Paywall auf BILD.de

Resümee nach einem Monat Paywall auf BILD.de

Das Thema Paid Content in den Online Ausgaben der Tageszeitungen, Nachrichten – und Wirtschaftsmagazine ist in letzter Zeit immer wieder einmal Thema von kontroversen Diskussionen gewesen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass Deutschlands Nachrichtenmagazin Nummer 1, BILD.de, im Mai ankündigte, künftig für einen Teil seines Informationsangebotes Geld von den Lesern nehmen zu wollen. Hierüber wurde alsbald reichlich diskutiert, gewitzelt, kritisiert, aber auch sachlich berichtet.

Paywall soll Geld für guten Journalismus liefern

Über eine Paywall, die als Digital Abo mit der Bezeichnung BILD Plus am 11. Juni dieses Jahres eingeführt wurde, will der Springer-Verlag künftig mehr Geld in die eigenen Kassen spülen, um – wie lautstark verkündet wurde – noch besseren Journalismus bieten zu können. Das Thema: „Guter Journalismus geht nur gegen Bezahlung“ gilt ja schon lange als Mantra des Verlages. Nun folgten also Taten. Nach einem Monat Bezahlschranke wollen manche bereits erste Auswirkungen erkennen, weshalb sich ein Blick auf die Entwicklung beim Traffic des BILD.de Online Portals lohnt.

8% Rückgang der Visits bei BILD.de

Mit mehr als 273 Millionen Visits im April 2013 sowie 270 Millionen Visits im Mai 2013 ist der Online Auftritt von Bild.de die auflagenstärkste Zeitung und das Nachrichtenportal mit dem meisten Traffic in Deutschland. Wie die Infografik zeigt, brachte der Juni 2013 nun lediglich zirka 250 Millionen Visits und damit eine Einbuße von rund 8%. Allerdings besteht noch keine absolute Klarheit, ob dieser Verlust allein mit der Einführung von BILD Plus zu begründen ist. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt nämlich, dass rückläufige Zahlen bei den Visits in den Sommermonaten durchaus nicht ungewöhnlich sind. Es lohnt sich also, die Entwicklung in den nächsten Monaten im Auge zu behalten.

Freemium statt metered Paywall bei BILD.de

Bei dem Paywall Modell BILD Plus handelt es sich um ein echtes Freemium Angebot. Während einige Vorreiter auf dem Gebiet Paid Content und Paywall wie die New York Times oder die Neue Zürcher Zeitung auf die sogenannte „metered Paywall“ setzen, bei der monatlich eine gewisse Anzahl von Beiträgen frei verfügbar sind und erst ab Erreichen der Kontingentsgrenze Kosten berechnet werden, können bei BILD.de einige Inhalte nur noch gegen Bezahlung abgerufen werden.

Dieses ist nicht neu in Deutschland und wird bereits von mehr als 40 Zeitungen und Zeitschriften genutzt. Selbst der Axel-Springer-Verlag hat dieses Modell schon seit längerer Zeit mit dem Hamburger Abendblatt und der Berliner Morgenpost praktiziert. Auch hier sind Nachrichten und große Teile der Berichterstattung frei zugänglich, während für lokale Nachrichten, Hintergrundberichte und einige andere Inhalte zur Kasse gebeten wird.

BILD.de Chefredakteur erklärt die Zukunft

Wie der Chefredakteur von BILD.de Manfred Hart erklärte, können Leser einen Teil der Angebote – also den reinen Nachrichtenteil – auch weiter kostenlos nutzen. Aber das, was nur BILD kann und BILD hat, die exklusiven Geschichten, die besonderen Interviews und Hintergründe, die einzigartigen Fotos – das sind zukünftig BILD Plus-Inhalte.“

Die Preise: Zusatzangebote sollen BILD Plus attraktiver machen

Die Preise für das Digital-Abo liegen bei 4,99€ bis 14,99€ monatlich. Für 4,99€ bekommen Leser sämtliche Online Inhalte sowie den Zugriff auf die Smartphone- und Tablet-Apps, während für 9,99€ monatlich zusätzlich die E-Paper-Ausgaben der BILD am Sonntag verfügbar sind. Für 14,99€ bekommen die Leser dann das volle Programm + 24 Kiosk-Gutscheine für die Print-Ausgabe, was auf wundersame Weise für die Erhöhung der Printauflagen sorgen könnte. Wie eng beide Medien miteinander verzahnt werden, zeigt sich darin, dass jede Printausgabe einen individuellen Code enthält, der als Tagespass für die digitale BILD gilt.

Als besonderes Bonbon haben die Fußballfans unter den BILD Plus Abonnenten, die sich für das große Media-Pack entscheiden, die Option, ab der kommenden Fußball-Saison via PC, Smartphone oder Tablet, Videoclips von den Höhepunkten des aktuellen Spieltages eine Stunde vor der Sportschau zu sehen. Dafür werden 2,99€ Aufpreis im Monat berechnet. Vielleicht ist der Fußball ja – ähnlich wie beim Pay-TV – der Schlüssel für den Durchbruch von Paid Content auf BILD.de.

Grafik: © Statista

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