Orkantief „Xaver“: Deutschland zieht Schadensbilanz

Orkantief „Xaver“: Deutschland zieht Schadensbilanz

Noch nie war ganz Deutschland so umfassend auf ein Wetterereignis vorbereitet, wie auf den angekündigten Jahrhundertorkan „Xaver“, der halb Europa am Ende der letzten Woche, besonders am Nikolaustag dieses Jahres, heimsuchte. Auch wurde in den Medien noch nie so ausführlich über die Vorbereitungen auf ein Wetterereignis in Deutschland berichtet, wie bei diesem Superorkan Anfang Dezember. Über Presse, Funk und Fernsehen sowie die verschiedensten Nachrichtenportale im Internet wurde berichtet, die Bevölkerung über die einzelnen Schritte und Maßnahmen informiert und vor möglichen Bedrohungen gewarnt. In ganz Deutschland – vor allem aber in den nördlichen Bundesländern und in den norddeutschen Küstenregionen an Nord- und Ostsee – wurde mit Hochdruck gearbeitet, um eine Katastrophe zu vermeiden und Schäden in Grenzen zu halten.

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Speziell im Norden Deutschlands kamen die Vorbereitungen auf „Xaver“ einer allgemeinen Mobilmachung gleich. Ämter und Behörden wurden geschlossen, in weiten Teilen der Region fiel die Schule aus, Flughäfen stellten ihren Betrieb ein und selbst Züge fielen aus.

Die befürchtete große Katastrophe blieb zum Glück aus

Als dann der gefürchtete Orkan «Xaver» über Europa hinweggefegt war, fielen die Schäden – nicht zuletzt dank der umfangreichen Vorbeugungsmaßnahmen und der Anstrengungen von Städten, Gemeinden, Feuerwehren, THW und zahlreicher freiwilliger Helfer aber glimpflicher aus, als erwartet. Die deutsche Nordseeküste musste insgesamt drei Sturmfluten über sich ergehen lassen, ehe sich die Lage wieder normalisierte und am Samstagmorgen Entwarnung gegeben werden konnte.
Nach Angaben von Feuerwehr und Polizei gab es zwar zahlreiche Sturm-Einsätze, Bäume knickten um, Dächer wurden abgedeckt, Hunderttausende waren ohne Strom. Haushohe Wellen hätten ganze Häuser weggespült. Einige Verletzte und sogar eine Tote in Norddeutschland waren zu beklagen, doch die erwartete Riesenkatastrophe blieb aus.

Schäden geringer als bei Orkantief „Christian“ Ende Oktober 2013

Kurz nach dem Abzug des Orkantiefs äußerte sich bereits ein Sprecher des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, dass „Xaver“ zwar vor allem an den Küsten enorme Schäden angerichtet habe, sich aber erst in wenigen Wochen die finanziellen Folgen des Sturms endgültig abschätzen ließen . Es sei jedoch relativ gesichert, dass Xaver bei weitem weniger Schaden angerichtet habe, als ursprünglich prognostiziert.

Jetzt, etwas mehr als eine Woche nach dem „Jahrhundertsturm“, sind zwar noch immer nicht alle Schäden beziffert, geschweige denn beseitigt, doch ist mittlerweile klar, dass die Auswirkungen sogar geringer waren, als beim vergleichsweise schwächeren Orkan „Christian“, der uns sechs Wochen zuvor heimsuchte und Schäden von rund 300 Millionen Euro verursachte.

Infografik vergleicht Orkanschäden von 1970 bis 2013

Die von wirtschaft.com in Auftrag gegebene und von infographiken.com umgesetzte Infografik liefert eine Übersicht der teuersten Stürme in Deutschland. Auf der Basis von Daten der Munich Re finden Sie eine Aufstellung der Schadenssummen, die durch die größten Sturm- und Orkanereignisse seit 1970 in Deutschland verursacht wurden.

Die bei weitem katastrophalsten Auswirkungen hatte demnach der Orkan „Kyrill“, der am 18./19.01.2007 mit Windböen bis zu 225 km/h über Europa hinwegfegte. Er hinterließ Schäden in Höhe von 4,2 Milliarden Euro. Mit großem Abstand folgen Wintersturm „Jeanett“, der im Oktober 2002 in großen Teilen Nord- und Westdeutschlands aber auch in Brandenburg 2 Mrd. Euro Schäden verursachte, sowie Orkan „Lothar“ mit 1,6 Mrd. Euro im Dezember 1999.

Das Beispiel Xaver zeigt die Effizienz der getroffenen Maßnahmen

Das Beispiel „Xaver“ und die für einen solchen Superorkan vergleichsweise geringen Sturmschäden von unter 300 Millionen Euro zeigen, wie wichtig vorbeugende Maßnahmen wie Küstenschutz sind und wie sich Investitionen in effiziente Warnsysteme auszahlen. Experten sind sich einig, dass sich die Bedrohung durch Winterstürme in Europa in den vergangenen 30 Jahren nicht wesentlich verändert hat, jedoch die getroffenen Schutzmaßnahmen an den Küsten Wirkung zeigen.

Gerade im hochwassererprobten Hamburg, dessen Einwohner 1962 bereits die schlimmste Sturmflut in der Geschichte der Stadt erleben mussten, hat sich gezeigt, dass man aus derartigen Katastrophen gelernt hat. Seitdem sind die Hochwasserschutzmaßnahmen kontinuierlich verbessert worden. Die Stadt und ihre Bewohner hatten in Vorbereitung auf das Anlanden des Jahrhundertorkans umfangreiche Anstrengungen unternommen, um eine Wiederholung der Ereignisse auszuschließen. Seit Mittwoch wurden alle erforderlichen Maßnahmen getroffen, damit Schäden so gering wie möglich gehalten werden und Menschenleben nicht in Gefahr geraten konnten. Obwohl Hamburg am Nikolaustag morgens die zweithöchste Flut seit Beginn der Aufzeichnungen 1825 erlebte, und von insgesamt drei Sturmfluten bedroht wurde, sind auch hier die prognostizierten gravierenden Schäden zum Glück ausgeblieben.

Foto: © NOAA/NASA Grafik: © wirtschaft.com

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