Österreich: Gelähmte Ex-Stabhochspringerin will in Nationalrat einziehen

Österreich: Gelähmte Ex-Stabhochspringerin will in Nationalrat einziehen

Die querschnittsgelähmte ehemalige Stabhochspringerin Kira Grünberg kandidiert bei den Parlamentswahlen in Österreich am 15. Oktober für die ÖVP. „Ob ich in den Nationalrat einziehe, kann niemand versprechen. Aber es sieht gut aus. Ich bin auf der Bundesliste auf Platz zehn gereiht und auf der Tiroler Landesliste auf Platz eins“, sagte Grünberg der „Welt“ (Samstagsausgabe).

Die 23-Jährige möchte Außenminister Sebastian Kurz bei der Wahl zum Bundeskanzler unterstützen. Der ÖVP-Chef habe sie bei einem Treffen im Januar persönlich von einem Engagement in der Politik überzeugt: „Sebastian schafft gerade eine neue ÖVP, das ist eine dynamische und breite Bewegung geworden, in der es keine Rolle spielt, ob du Mitglied bist oder nicht. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren. Sebastian ist jung, empathisch und hat viel Energie. Ich finde das interessant“, erklärte Grünberg, die der ÖVP trotz ihrer Kandidatur nicht beitrete. Dies sei keine Voraussetzung. In ihrer neuen Rolle als Politikerin will sich Grünberg besonders für die Interessen von Menschen mit Handicap einsetzen. „Ich möchte etwas für Menschen mit Behinderung verändern. Das habe ich mir während der Zeit meiner Reha versprochen und das kann ich am besten in der Politik. Ich bin denen etwas schuldig, die mich nach meinem Unfall so sehr unterstützt haben“, sagte Grünberg der Zeitung. Sie selbst sei in den vergangenen zwei Jahren oft von behördlichen Maßgaben gebremst worden. „Ich bin in den vergangenen zwei Jahren oft an der Bürokratie verzweifelt: Anträge stellen, Behördengänge, das ist alles so kompliziert. Ich würde gerne all diese Informationen auf einer Plattform im Internet bündeln und so vielen Menschen mit ähnlichem Schicksal das Leben erleichtern“, erklärte die Innsbruckerin. Entscheidend sei, dass Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft Vertrauen spüren. „Viele denken beim Anblick eines Rollstuhlfahrers: `Der kann ja eh nicht für sich selbst bestimmen, der hat sicher auch eine geistige Behinderung.` Das trifft uns und schränkt uns ein“, sagte Grünberg der „Welt“. Sie habe sich zum Ziel gesetzt, gesellschaftliches Verständnis dafür zu schaffen, dass auch Menschen mit Behinderung „arbeiten gehen und sogar Führungspositionen übernehmen können“. Am 30. Juli 2015 hatte sich Grünberg bei einem Trainingsunfall den fünften Halswirbel zertrümmert, Knochensplitter drangen ins Rückenmark ein. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Ihre Geschichte ging danach um die Welt. Grünberg erreichte dadurch eine sehr hohe Popularität.

Foto: Österreichisches Parlament, über dts Nachrichtenagentur

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