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Müllsammler in Zukunftsangst: Riesendeponie bei Rio macht dicht

26. Mai 2012 21:58

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Rio de Janeiro – Tonnenweise Abfall – und dutzende Müllsammler, die sich auf den Unrat stürzen. Auf dieser gigantischen Müllkippe am Rande von Rio de Janeiro wabert der Gestank von Fäulnis und Verwesung durch die Luft. Mittendrin sammeln die sogenannten Catadores alles, was sich wiederverwerten lässt. Doch bald müssen sie sich neue Arbeit suchen: Denn kurz vor dem UN-Umweltgipfel Rio+20 wird die größte Müllhalde Südamerikas dichtgemacht. Giova Correia Dos Santos, Catador seit zehn Jahren: “Es ist besser, Catador auf einer Müllkippe zu sein, als ein Dieb. Ich verdiene sauberes Geld, auf ehrliche Weise. Viele Leute werden mir sehr fehlen, ich werde sie in meinem Herzen bewahren.” 1600 Catadores gibt es hier, insgesamt leben an die 20.000 Menschen vom Verwerten der Abfallberge. Vanessa ist arbeitslos: “Ein Freund meines Mannes, der mit ihm arbeitet, sammelt Stoffreste und gibt sie mir. Ich schneide die Stücke zurecht und tue sie in die kleine Kiste, dann können sie gleich benutzt werden.” Die Arbeit der Catadores ist hart und gefährlich. Doch für viele ist die Arbeit auf dem Müllberg ein gutes Geschäft. Auf der Halde verdienen sie an guten Tagen umgerechnet bis zu 40 Euro – für viele ist das ein kleines Vermögen. Wenn die Halde schließt, ist es damit vorbei. Immerhin bekommt jeder der offiziell registrierten Catadores eine Entschädigung von umgerechnet fast 6000 Euro. O-Ton Elio, Catador seit zehn Jahren: “Ich träume davon, auszusteigen und die Entschädigung wird mir dabei helfen. Die Hälfte des Geldes will ich in ein Studium stecken, damit ich eine bessere Zukunft habe.” Ana Carla arbeitet auf der Müllkippe, seit sie 18 ist. Die Schließung ist für sie eine Katastrophe: “Es ist schwer sich vorzustellen, dass das hier schließen wird und dass der Müll, den tausende Menschen sortiert haben, auf der neuen Kippe in Séropedica einfach vergraben wird. Und diese Menschen haben nie etwas anderes gemacht. Vor allem die älteren Leute kennen nur die Kippe. Wie sollen sie klarkommen?” Die Zukunft der Catadores liegt vielleicht in Unternehmen wie diesem. Hier werden Abfälle sortiert und schließlich wiederverwertet. Sebastião Carlos dos Santos, Catador-Verband in Jardim Gramacho: “Wir kämpfen, damit die Catadores ein unverzichtbarer Bestandteil der Recycling-Kette werden. Recycling in Brasilien gibt es dank der Catadores, es ist nicht die Frucht des Umweltbewusstseins der brasilianischen Bürger. Nun, wo alle vom Recycling reden, ist es nur gerecht, denjenigen etwas davon abzugeben, die man davon ausgeschlossen hat.” 60 Prozent der Städte in Brasilien verwerten ihren Müll bislang nicht wieder. Die Müllsammler von Rio haben seit 36 Jahren im Schatten der Müllberge geschuftet. Ob sie tatsächlich eine Zukunft in einer nachhaltigen Abfallwirtschaft in Brasilien haben, bleibt ungewiss.

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