Kleider: Geschäft mit Übergrössen wächst rasant

Kleider: Geschäft mit Übergrössen wächst rasant

Der Anteil molliger Menschen hat in den Industrienationen in den letzten 20 Jahren stark zugenommen. Folglich ist das Segment Mode für Übergrösse im Bereich der Textilwirtschaft rasant gewachsen – nicht erst seit diesem Jahr haben sich zahlreiche Designer und Labels auf XXL-Grössen spezialisiert. Die Modeindustrie konnte den Markt für grosse Grössen schlicht nicht mehr ignorieren.

Übergewicht nimmt zu

Da der Modemarkt stark umkämpft ist, werden auch die Nischen besetzt. Kleidung in Übergrösse war einst solch eine Nische. Mittlerweile ist sie aber zu einem Massen-Business geworden, denn die Nachfrage nach grossen Grössen wächst. Studien zeigten, dass im Jahr 2012 bereits jeder dritte Schweizer übergewichtig war. 1992 war es nur jeder vierte. Im Allgemeinen wird die Weltbevölkerung immer molliger. 1980 lagen weltweit 857 Millionen Menschen über dem BMI-Index, 2013 bereits 2,1 Milliarden. Die Zahl der Übergewichtigen stieg dabei schneller an als die Zahl der Weltbevölkerung – ein Faktum, das nicht nur Modedesigner aufmerksam macht.

XXL ist Trend

XXL-Mode ist im Mainstream angekommen. In Modemagazinen und auf Fashion Shows sind längst nicht mehr nur schlanke Models zu sehen, sondern immer häufiger auch solche in grossen Grössen. Zusammenarbeiten zwischen hochrangigen Designern wie Jean Paul Gaultier und Sängerin Beth Ditto, erfolgreiche Modeblogs wie Girl With Curves und CurvyFashion oder auch die Wahl zur Miss Plus Size Schweiz haben dazu beigetragen, das Thema XXL medial präsent zu machen. Top-Verdiener unter den Plus-Size-Models sind Ashley Graham, Robyn Lawley, Tara Lynn oder Chloe Marshall.

Die grosse Nachfrage hat auch bei vielen Modegeschäfte zu einem Umdenken geführt. Neben speziellen Shops für Mode in grossen Grössen bieten auch immer mehr Shops Kleidung in XXL an, ohne darauf spezialisiert zu sein. XXL-Mode gehört mittlerweile zum Sortiment eines gut sortierten Geschäfts dazu. Das wiederum hat den Effekt, dass kräftige Frauen nicht mehr nur praktische Kleidungsstücke vorfinden. Designer wie Harald Glööckler und Christian Siriano entwerfen bereits Kollektionen speziell für kurvige Frauen und mollige Männer. Andere Designer, darunter Marc Jacobs, lassen ihre neuen Kollektionen auch in grossen Grössen produzieren.

Mehr Umsatz erwartet

Das befeuert das Potenzial für weitere Umsatzsteigerung. In Deutschland belief sich das Umsatzvolumen mit Damenbekleidung ab Grösse 46 im Jahr 2015 auf 3,2 Milliarden Euro. Europaweit ist vor allem der angelsächsische Raum im Plus-Size-Segment gewachsen. Circa 12 Prozent aller verkauften Kleider ging nach Grossbritannien und sorgte für einen Umsatz von umgerechnet über 6 Milliarden Franken. In der Schweiz ist vor allem der Onlinehandel Triebfeder für das Wachstum im Kleidungsgeschäft. Modehäuser wie Zalando konnten ihren Umsatz in der DACH-Region kontinuierlich steigern. 2016 betrug er bei dem Berliner Online-Versandhändler 1,8 Milliarden Euro. Allein in der Schweiz konnten 534 Millionen Euro Umsatz generiert werden. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 425 Millionen gewesen. Mitverantwortlich für das Wachstum des Online-Modehauses ist auch der hauseigene Plus-Size-Shop, der unter dem Motto „Schönheit kennt keine Konfektionsgrösse“ geführt wird. Auch die TriStyle Group, die sich unter anderem auf Mode für Nischen spezialisiert hat, profitiert vom wachsenden Geschäft für grosse Grössen. Ihre Beteiligung Peter Hahn, zu der auch Übergrössen-Shop Emilia Lay gehört, wuchs im vergangenen Geschäftsjahr überproportional und steigerte den Umsatz um 5,8 Prozent auf 354,3 Millionen Euro.

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