Ist die Zahl der Patente ein Gradmesser der Forscherdichte?

Ist die Zahl der Patente ein Gradmesser der Forscherdichte?

Innovationsvorsprung ist heute eine der wichtigsten Grundlagen, um im wirtschaftlichen Wettbewerb zur Spitze zu gehören. Dies gilt sowohl für Unternehmen als auch für die Volkswirtschaften ganzer Staaten. Wichtige Komponenten, die für den Innovationsvorsprung mitverantwortlich zeichnen, sind Patente. Einerseits sind geschützte Erfindungen ein wichtiges Indiz für die Forschungsstärke des Unternehmens, der Einrichtung oder des Landes und andererseits schaffen Patente erst die Voraussetzungen, Spitzentechnologien zu entwickeln und mit ihnen wirtschaftliche Erfolge zu erzielen.

Gemeinhin herrscht dabei die Auffassung, dass die meisten Erfindungen und Innovationen von Wissenschaftlern und Forschern gemacht werden und daraus abgeleitet, dass in Ländern, in denen viele Forscher tätig sind, automatisch auch besonders viele Patente erdacht werden müssen.

Der heutige Beitrag im Wirtschaftsmagazin soll klären, inwiefern diese These der Realität entspricht oder ob es vielleicht andere Faktoren sind, die Einfluss auf die Zahl der Patente haben.

Patente und Gebrauchsmuster: Wo liegt der Unterschied?

Laut Definition schützen Patente und Gebrauchsmuster technische Erfindungen, die neu sind und auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhen. Darüber hinaus müssen diese Erfindungen gewerblich anwendbar sein. Patente verleihen ihrem Inhaber das räumlich und zeitlich befristete Privileg, allein über die Erfindung zu verfügen. Derartige Schutzrechte für technische Neuheiten spielen eine äußerst wichtige Rolle bei vielen unternehmerischen Entscheidungen, erlauben sie doch beispielsweise durch die Vergabe von Lizenzen wirtschaftlichen Nutzen aus der Erfindung zu ziehen.

Klassisch unterscheidet man in Gebrauchsmuster, die in der Regel einen erfinderischen Schritt schützen und lediglich 10 Jahre Laufzeit haben sowie Design- und Erfindungspatente mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Lediglich Letztere gelten als Hochqualitätspatente, die sowohl gute Aussichten haben, vermarktet zu werden, als auch sozial, ökonomisch oder ökologisch zur wirtschaftlichen Innovation beizutragen.

Im Gegensatz zum Patent können mit einem Gebrauchsmuster keine Verfahren geschützt werden. Außerdem gibt es keine einheitlichen internationalen Regelungen bezüglich des Gebrauchsmusterschutzes.

Sind viele Forscher Garant für viele Patente?

Die beigefügte Infografik basiert auf einer Auswertung der in verschiedenen Ländern angemeldeten Patente und zeigt deutlich, dass dies bei weitem nicht immer der Fall ist. So beschäftigte Japan 2011 auf eine Million Einwohner 5.151 Wissenschaftler, die 2.250 Patente anmeldeten. Dies entspricht einer Quote von 44%. Im Gegensatz dazu sind in den Vereinigten Staaten 4.650 Forscher auf eine Million Einwohner tätig, die nur 794 Patente anmeldeten und damit eine Quote von lediglich 17% erreichten. In Deutschland liegt diese Quote bei 22,6%, denn hier brachten auf eine Million Einwohner gerechnet, 3.950 Wissenschaftler und Entwickler 896 Patente auf den Weg. Damit meldete Deutschland trotz wesentlich geringerer Wissenschaftlerdichte zirka 100 Patente mehr an, als von den USA registriert wurden.

Interessanterweise zeigt die Infografik, dass 2011 in China kaum 1.000 Wissenschaftler auf eine Million Einwohner kam, die aber trotzdem mehr als 300 Patente anmeldeten, was einer beachtlichen Quote von 32,1% entsprach. Im Vergleich ließen viermal so viele britische Wissenschaftler ebenfalls nur 321 Patente registrieren.

Die Wirtschaft als Motor für Innovationen

All diese Werte belegen, dass die Zahl der Patente in der Regel nichts mit der Forscherdichte eines Landes zu tun hat. Vielmehr ist es wichtig, dass entsprechende Voraussetzungen seitens der Politik und der Wirtschaft geschaffen werden. Es ist weniger die Forschung als vielmehr die Wirtschaft, die den Nährboden für Innovationen schafft.

Diese These wird auch durch eine weitere Tatsache belegt. So fanden die Experten des Statistikportals statista heraus, dass in denjenigen Ländern, die führend in der Smartphone- und Computerindustrie sind, die meisten Patente registriert sind, bzw. die Quote der Innovationen in Bezug auf die Zahl der Wissenschaftler wesentlich höher als in anderen Staaten ist.

Grafik: © Statista

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