Der Ausstieg aus der Atomenergie wird nach Plan fortgesetzt

Atomkraft Der Ausstieg aus der Atomenergie wird nach Plan fortgesetzt
Zahlreiche konventionelle Kraftwerke werden in Deutschland bis 2020 abgeschaltet. Damit wird der Ausstieg aus der Atomenergie nach dem Klimaschutzplan weiter fortgesetzt. Der erste Schritt zum Ausstieg aus der Kohle wurde bereits eingeleitet, auch wenn das mit der Hilfe einer anderen Begründung geschieht.

Deutschland und der Klimaschutzplan

Jedes dritte Kraftwerk in Deutschland wird bis zum Jahr 2020 stillgelegt und wird durch einen Neubau ersetzt – so der Plan. Insgesamt wird bis 2020 der Neubau von rund 42.000 MW an Kraftwerkskapazität erwartet. Diese Zahlen ergeben sich aus einer Übersicht des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Der Investitionsbedarf, der vom Verband für die insgesamt 84 Kraftwerke veranschlagt wird, beläuft sich schätzungsweise auf rund 60 Mrd. Euro. Allein die Stromversorger in Nordrhein-Westfalen haben für den Bau neuer Kraftwerke 5 Mrd. Euro in den kommenden sieben Jahren festverplant. Aber die Aufträge für den Rohrleitungsbau könnte an den heimischen Spezialfirmen weitgehendst vorbeigehen. Gleich von zwei Seiten werden die Unternehmen der Traditionsbranche in die Zange genommen: In den vergangenen Jahren musste sie bei knappen Aufträgen und Überkapazitäten gegeneinander konkurrieren. Und zum anderen werden die neuen Aufträge per Internet-Aktion europaweit ausgeschrieben.

Die heimischen Spezialbetriebe müssen gegen die europäische Konkurrenz antreten. In deren Personallisten sind bereits innerhalb der Randbelegschaft häufig ausländische Arbeitnehmer zu finden, die für 8 Euro die Stunde Arbeiten oder diese Löhne noch unterbieten. Die deutschen Fachkräfte konkurrieren mit Stundenlöhnen von 25 Euro gegen diese Mitarbeiter. Auch die heimischen Zulieferer und Komponentenhersteller stellen einen zentralen Teil dar. Zu diesen Zulieferern zählen beispielsweise die kleineren Hersteller von Komponenten, wie Gummikompensatoren. Aber auch die großen Zulieferer der Großkomponenten wie Turbinen, Motoren, Blockheizkraftwerken, Tanks und Rohrleitungen beispielsweise, werden den Konkurrenzkampf zu spüren bekommen.

Gummikompensatoren Der Ausstieg aus der Atomenergie wird nach Plan fortgesetzt

Welche Kraftwerke sollen abgeschaltet werden?

Aus Gründen des Klimaschutzes werden bis 2020 Braunkohlewerke mit einer Leistung von circa 2.900 MW abgeschaltet und in die bezahlte Reserve geschickt. Stück für Stück werden in den nächsten Jahren die Braukohle-Blöcke zunächst in die Sicherheitsbereitschaft gepackt und dann vier Jahre später endgültig stillgelegt. Das wird jeweils am 01. Oktober eines Jahres passieren. Das Braunkohle-Kraftwerk Buschhaus der Mibrag hat bereits am 01.Oktober 2016 mit einer Leistung von 325 Megawatt den Anfang gemacht. Zum 01. Oktober dieses Jahres folgen die RWE-Blöcke P und Q in Frimmersdorf mit je 300 MW und weiter geht es 2018 mit den RWE-Blöcken E und F in Niederaußem (je 300 MW) sowie dem Block F des Vattenfall-Kraftwerks in Jänschwalde (500 MW). Als letzte werden 2019 Jänschwalde E (500 MW) und der Block C im RWE-Kraftwerk Neurath (300 MW) abgeschaltet.

Zudem sind aktuell noch acht Atomkraftwerke in Deutschland am Netz mit einer Leistung von 11.400 MW. Zwei weitere AKW mit einer Gesamtleistung von circa 2800 MW sollen bis 2020 vom Netz gehen. Das sind im einzelnen das AKW Gundremmingen B in diesem Jahr (1.344 MW) und das AKW Phillipsburg 2 (2019) mit 1.468 MW.

Auch kleinere Kraftwerke sollen vom Netz gehen

Zudem sind, nach Angaben der Bundesnetzagentur, weitere Abschaltungen geplant, die jedoch noch nicht endgültig sicher sind. So könnten bis 2019 noch Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von bis zu rund 1.500 MW vom Netz genommen werden. Hierbei zählen das Berliner Erdgas-Kraftwerk mit rund 430 MW sowie ein Öl-Kraftwerk in Brunsbüttel mit rund 190 MW von Vattenfall zu den größten Kraftwerken.

Der neue Klimaschutzplan wurde von der Bundes-Umweltministerin Barbara Hendricks bei der Klimakonferenz in Marrakesch im November 2016 vorgelegt. In ihm sind für fünf Bereiche Energie, Industrie, Gebäude und Landwirtschaft die Mengen an Treibhausgasen festgelegt, die sie noch produzieren dürfen. Das allerdings nur pauschal und noch ohne ein klares, Wer, Wie, Wann. Diese Punkte werden laut der Umweltministerin 2018 folgen. Dann soll es zu klaren Maßnahmenpaketen kommen, die für jeden Sektor gelten. Dies habe auch viel mit der Forschung zu tun und der technologischen Entwicklung.

Von den Umweltverbänden wird das kritisiert. Sie äußern sich und erklären, dass der Plan gut ist, aber die Umsetzung zu schlaff sein. Martin Kaiser, der für Greenpeace spricht erklärte, dass der Kohleausstieg kommen muss, dieser wird in den nächsten 10 bis 15 Jahren kommen. Aber dafür muss ein Gesetz her, das genau besagt, wann welches Kohlekraftwerk abgeschaltet wird. Zudem fordert Kaiser dazu auch Hilfen für die betroffenen Regionen und ist sich in diesem Punkt mit der Ministerin einig. Doch die Bundesregierung hält an ihren Zielen zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes fest. Verglichen mit 1990 sollt dieser bis 2030 um 55 % sinken. Dabei soll die Energiewirtschaft ihren Ausstoß auf 175 bis 183 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) mindern. Also 61 bis 62 % weniger als 1990. Nach der Bundestagswahl 2018 sollen die Vorgaben überprüft werden.

Was das letztendlich für die deutschen traditionellen Unternehmen in diesem Bereich bedeutet, das bleibt abzuwarten. Gewiss ist nur eines: Die Belegschaften schrumpfen, die kleineren Firmen wandeln sich in reine Ingenieurbüros um. Dort erledigen nach dem Vorbild der Baufirmen Subunternehmer die Arbeit. Bei vielen Rohrleitungsbauern hat dieser scharfe Anpassungsdruck das Eigenkapital stark verringert.

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