Energiekosten als Preistreiber der Lebenshaltungskosten in Deutschland

Energiekosten als Preistreiber der Lebenshaltungskosten in Deutschland

Seit letzten Freitag steht es fest: Deutschland wird von den Menschen anderer Nationen als das beliebteste Land überhaupt angesehen. Mit einiger Verwunderung konnten wir zum Wochenende das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der BBC vernehmen, in der genau dies deutlich wurde. Der britische Sender befragte Menschen in 25 Ländern weltweit, davon benannten 59% Deutschland vor Kanada als den beliebtesten Staat zum Leben. Dieses erstaunt umso mehr, da sich die Bundesregierung noch vor kurzem wegen ihrer Politik in Bezug auf die Rettung der Wirtschaft in Griechenland und in Zypern heftiger Kritik aus vielen Richtungen erwehren musste, was uns Deutschen in Europa vielerorts den Ruf der Arroganz einbrachte.

Doch woher kommt die derzeitige Beliebtheit Deutschlands in der Welt?

Die enorme Entwicklung des deutschen Fußballs allein kann es wohl nicht sein. Zwar stand erst gestern Abend Deutschland wieder im Fokus der Weltöffentlichkeit, denn die ganze Welt blickte nach Wembley, wo die beiden besten Fußballmannschaften unseres Kontinents aus München und Dortmund um die Krone der Champions League kämpften, die letztendlich der FC Bayern mit 2:1 nach München holte. Dennoch muss es tiefergreifende Gründe für die aktuelle Beliebtheit unseres Landes geben.

Man fragt sich deshalb wohl besser, wie wohl die Wirtschaftszahlen in Deutschland selbst aussehen? Wie ist es um die Kosten für die Lebenshaltung und die Kaufkraft in Deutschland insgesamt bestellt ist und wofür geben wir das meiste Geld aus.

Lebenshaltungskosten Energiekosten als Preistreiber der Lebenshaltungskosten in Deutschland
Grafik: Statista

Geringste Inflationsrate seit 2010 und vorsichtig positive Konjunktur

Obwohl die Konjunkturentwicklung derzeit wieder vorsichtiger beurteilt wird, ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Gegensatz zu der in vielen anderen Ländern Europas als positiv anzusehen. Die durchschnittlichen Gehälter sind leicht gestiegen und die Arbeitslosenzahlen liegen mit 7,1% auf einem relativ erträglichen Niveau. Bei der Jugendarbeitslosigkeit und der Situation auf dem Lehrstellenmarkt verzeichnen wir sogar Positivrekorde, so dass die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen kürzlich sogar unbesetzte Lehrstellen in Spanien anbieten konnte. Natürlich unter dem Motto des Ausgleichs des Mangels von Fachkräftenachwuchs in der deutschen Wirtschaft.

Nicht zuletzt befindet sich in Deutschland die Inflationsrate mit derzeit 1,2% auf dem niedrigsten Stand seit September 2010, was allerdings laut statistischem Bundesamt auf den gesunkenen Ölpreis und die allgemein leicht gesunkenen Energiekosten sowie den Preisrückgang bei Pauschalreisen zurückzuführen ist, während die Preise für Lebensmittel gegenüber dem Vorjahr um 4,1% gestiegen sind. Insgesamt wird laut Bundesregierung im Jahresschnitt 2013 eine Inflationsrate von 1,7 bis 2% erwartet.

All diese Tatsachen tragen mit dazu bei, dass die Welt meint, dass es uns Deutschen gut gehe. Selbst der französische Premierminister François Hollande erkannte dies bei seiner Rede auf der SPD-Geburtstagsfeier in Leipzig neidlos an, als er die deutschen Reformen für vorbildlich erklärte und unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit lobte.

Die Wohnkosten bestimmen die Lebenshaltungskosten in Deutschland

Wer wissen möchte, wofür die Deutschen am meisten ausgeben, sollte sich unsere beigefügte Infografik ansehen, die einen kleinen Überblick über die Lebenshaltungskosten in unserem Land bis zum Jahr 2008 liefert. Daraus geht hervor, dass bei durchschnittlichen Konsumausgaben von 2.168 Euro monatlich der Löwenanteil der Einkommen auf die Wohnkosten entfällt und die Lebenshaltungskosten in Deutschland in zunehmendem Maße von den Kosten für Wohnung und Energie bestimmt sind. Die Grafik zeigt einen Wert von 731 Euro pro Haushalt für Wohnen und Energie, wobei der Anteil der Energiekosten mittlerweile bereits ein Fünftel der gesamten Wohnkosten ausmacht.

Der zweite Teil der Grafik zeigt die weitere Verteilung der Ausgaben in deutschen Haushalten. Hier wird deutlich, dass sich die Kosten für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren mit den Ausgaben für Verkehr die Waage mit jeweils 305 Euro halten und der fünftgrößte Posten bei den Lebenshaltungskosten mit 236 Euro monatlich bereits für Freizeit, Unterhaltung und Kultur ist. Im Vergleich mit den anderen Staaten der EU liegt Deutschland bei den Ausgaben für Nahrungsmittel sogar im unteren Drittel.

Weiter deutlicher Anstieg der Wohnkosten

Betrachtet man die aktuellen Zahlen aus dem Jahre 2012, die bei durchschnittlichen Konsumausgaben von 2.252 Euro bereits einen Betrag von 775 Euro (34,4%) für Wohn- und Heizkosten ausweisen und bedenkt die Preissteigerungen auf dem Energiesektor sowie den wesentlich höheren Heizkosten des letzten Winters, dürfte die Hürde von 800 Euro wahrscheinlich in diesem Jahr fallen, denn allein monatliche Stromkosten in dreistelliger Höhe für einen 3-Personen-Haushalt sind zumindest in den Städten schon bald Normalität und ein Ende der Preissteigerung auf dem Energiesektor ist nicht in Sicht.

Foto: © Eisenhans – Fotolia

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