Datenkraken: Unsere Daten verkommen zur Ware

Datenkraken: Unsere Daten verkommen zur Ware

Bereits 1981 hieß es „das Finanzamt und das BKA haben unsere Daten“ auf dem Album „Computerwelt“ der Elektronik Pioniere Kraftwerk und seit diesem Zeitpunkt ist „der gläserne Mensch“ doch sehr mehr Wirklichkeit geworden. Das Internet, der bargeldlose Zahlungsverkehr und die Fortschritte in der Überwachungstechnologie haben das ihrige dazu beigetragen.

Google, Apple & Co.: die größten „Datenkraken“ in Deutschland

Gleich zwei Internetriesen gehören zu den größten Datenkraken des Landes: Apple und Google. Bereits 2013 wurden die beiden Giganten mit dem BigBrotherAward ausgezeichnet. Auch die Post, die Polizei und die Rundfunkgebühren erhielten damals diesen Negativ-Preis. Verliehen wird der Preis an die „Datenkraken“ vom Datenschutzverein Digitalcourage. Der Verein, der früher Foebud hieß, will mit dieser Preisverleihung die Verletzung der Privatsphäre anprangern. 2016 wurde die Kampagnenplattform Change.org, der „Verfassungsschutz“, die Berliner Verkehrsvertriebe und auch die Generali-Versicherung sowie IBM für sein Produkt „Social Dashboard“ mit dem Award ausgezeichnet.

Bereits seit 1987 engagiert sich Digitalcourage e.V. für die Grundrechte, den Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter. Digitalcourage sagt über sich selbst aus, dass man technikaffine sei, aber sich dennoch dagegen wehrt, dass die Demokratie „verdatet und verkauft“ wird. Seit 2000 werden jährlich die BigBrotherAwards  verliehen, mit denen Datensünder in Wirtschaft und Politik prämiert werden. Aus diesem Grund wird diese Verleihung von der französischen Tageszeitung „Le Monde“ als „Oscars für Datenkraken“ tituliert. Bei diesen Awards handelt es sich um ein internationales Projekt und es werden bisher in 19 Ländern fragwürdige Praktiken mit diesen Preisen ausgezeichnet.

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Eine Datenkrake, über die sich viele nicht bewusst sind: Amazon

Google, Facebook und Apple sind Konzerne, die den Datenschützern Kopfzerbrechen, bereiten, dabei wird ein Internet-Konzern vergessen. Dieser verfügt über viel sensiblere Informationen als alle anderen: Amazon.

Die Datenschützer verfolgen das Ziel, die Verbraucher davor zu schützen, dass ihre persönlichen Daten zu einem späteren Zeitpunkt gegen sie verwendet werden. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Mensch sich im Allgemeinen sehr schnell beeinflussen lässt und genau das wissen auch die Marketingstrategen. Heute existieren sogar Studien darüber, wie es möglich ist, den Verbraucher durch Werbung und Informationsfluss zu beeinflussen.

Der Schlüssel zum Erfolg einer Werbestrategie sind Daten und bei diesen handelt es sich um jene, die jeder Datenschützer lieber gestern als heute gelöscht sehen würde. Begründet werden kann das damit, dass je persönlicher die Daten ausfallen, bzw., je mehr die Daten Aufschluss über die emotionalen Vorlieben geben, desto besser sind sie dafür geeignet, einen Kaufimpuls auszulösen.

Bei Amazon handelt es sich um den freundlichen Buchhändler? Das ist die Meinung der meisten Kunden. Doch das ist nicht richtig so, denn Amazon weiß, was benötigt wird, was der Verbraucher mag und was er sich leisten kann! Amazon weiß einfach alles! So kann mit dem 1-Click-Shopping der Impulskauf bedient werden und wenn dann in den nächsten drei Stunden noch zusätzliche Produkte erworben werden, dann kommt alles versandkostenfrei nach Haus. Doch selbst wenn über Jahre bzw. eine lange Zeit nichts mehr bestellt wurde, so ist der Verbraucher dennoch weiter im „Gehirn“ von Amazon verankert. So ist der Backlog eine Schlussfolgerung darüber aufzustellen, was der Verbraucher eventuell noch braucht und schlägt diese dann zum Kauf vor. Amazon gilt als Pioneer unter den Internetfirmen im Ermitteln individueller Verbrauchervorlieben durch die Auswertung des Klickverhaltens.

Wie die Datenkraken die Verbraucher verfolgen und ausspionieren

Vor Google fürchten sich die Deutschen – aber sie lieben Google. 84 % der Internetnutzer misstraut dem Giganten, aber 95 % nutzen die Suchmaschine und liefern damit dem größten Datensammler in der Menschheits-Geschichte freiwillig intimste Informationen.

Bei Google handelt es sich um viel mehr als nur eine Suchmaschine. Der E-Mail-Dienst Email, die YouTube-Videos, der Online-Speicher Google Drive, Google-Maps, der Chrome-Browser, die Android-Smartphones: kurz und gut die Datenkrake ist überall! Sie führt jegliche Information über den User in einer einzigen Datei zusammen und aus diesem Grund schwärmte 2015 der Aufsichtsratchef Eric Schmidt „Wir wissen mehr oder weniger, woran Sie denken“.

Die Datenbanken arbeiten unauffällig und vergessen dabei nicht(s). Damit ist gemeint, dass die Datenkraken, im Gegensatz zum Bäcker um die Ecke oder dem Kiosk – von denen die Daten nicht absichtlich zusammentragen werden – nicht vergessen, was wann und wo gelesen wurde, wofür sich der Verbraucher interessiert oder was gekauft wurde. Die ausliefernden Webserver protokollieren welche Zeitung angeschaut und gekauft wurde und auch welche Artikel, die darin enthalten sind/waren, gelesen wurden.

Smartwatch, Fitnesstracker und die Frage des Datenschutzes

Geht es um die Frage des Datenschutzes, wer würde bei seiner Antwort an den Fitnesstracker oder die SmartWatch kommen? Wohl die wenigsten. Doch hier kann auf die Ergebnisse von AV-Test zurückgegriffen werden, wo in einer Untersuchung der meistverkauften Fitnessarmbänder und der Apple Watch, die Experten zu dem Ergebnis gekommen sind, dass von den Herstellern der Sicherheitsaspekt nicht sehr viel Beachtung erhält. Die Produkte lassen sich sehr einfach verfolgen, nutzen inkonsequent oder gar keinen Authentifizierungs- und Manipulationsschutz, der Code der Apps wird nur ungenügend oder gar nicht verschleiert und auch die Übertragungen könnten sogar mit Rootzertifikaten ausgehebelt und mitgelesen werden. Das Institut kritisiert, dass die Hersteller teilweise sehr herbe Fehler machen. Auch zwei weitere Studien von Forschern der Universität von Toronto und der technischen Universität Darmstadt kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Datenkrake Internet of Things

Ein solches Missbrauchsrisiko lauert aber auch in weiteren Dingen in der IoT-Welt und zwar in den Autos. So sammeln zahlreiche Fahrzeuge eine große Datenmenge und sendet diese dann ungefragt an die KFZ-Hersteller. Das hat der ADAC bereits vor Monaten nachgewiesen. Hier wird sogar von der „Datenkrake Auto“ gesprochen und es wird gefordert, dass die Hersteller offenlegen, welche Daten sie sammeln und der Verbraucher darüber Kenntnis erhält und dann der Datensammlung aktiv zustimmt. Doch eine solche gesetzliche Regelung zur Nutzung der KFZ- und Bewegungsdaten ist bis dato in Deutschland noch Fehlanzeige.

Weitere Datenschutzprobleme gibt es auch in den vernetzten Geräten, wo die Hersteller der Smart-TVs die Sehgewohnheiten der Nutzer protokollieren. Zwar ist die Geräteübergreifende Lesesynchronisierung bei digitalen Büchern sehr praktisch, aber andererseits wissen Amazon & Co. somit ganz genau, was und wie gerade gelesen wird. Genauso sind auch die Hersteller der Smarthome-Lösungen genau darüber im Bild, ob der Bewohner gerade zu Hause oder für längere Zeit außer Haus ist. Niemand behauptet an dieser Stelle, dass die anfallenden Daten missbraucht werden – aber diese Möglichkeit besteht.

Aber an dieser Stelle muss festgehalten werden, dass die verbreitete Datenerhebung massiv in das geltende Recht auf die informationelle Selbstbestimmung der Menschen eingreift. Über diese jeder Einzelne das Recht hat grundsätzlich selbst über die Preisgabe und die Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu bestimmen. Dabei sind die Möglichkeiten von Big Data und die Verknüpfung verschiedenen Datenquellen noch nicht einmal gestreift. Noch ein Hinweis zu Schluss: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat speziell für Smart-TVs Konfigurationstipps  veröffentlicht.

Grafik: Statista

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