Arbeitsmarkt 2030: trotz erhöhter Zuwanderung droht Fachkräfteengpass

FachkräfteBerlin – Anfang März haben das Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und das Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Ergebnisse der dritten Welle der Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen vorgelegt. Das Ergebnis: Trotz erhöhter Zuwanderung droht Fachkräfteengpass. Die Prognose basiert auf Datengrundlagen und methodischen Ansätzen, die Fraunhofer FIT gemeinsam mit der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) erarbeitet hat.

„Trotz einer seit dem Jahr 2010 stetig zunehmenden Zuwanderung sowie steigender Erwerbsquoten wird es möglicherweise nicht gelingen, den drohenden Fachkräfteengpass im mittleren Qualifikationsbereich – also bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung – zu verhindern. So könnte die Zahl der am Arbeitsmarkt verfügbaren Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung bis zum Jahr 2030 um rund drei Millionen zurückgehen.“ so die Zusammenfassung der dritten Welle der Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen, die eine Prognose zur Entwicklung des Arbeitsmarktes in Deutschland bis zum Jahr 2030 liefert.

Die Untersuchung wurde unter Leitung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf Basis von Datengrundlagen und methodischen Ansätzen des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT und der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) erstellt. Zur Berechnung des zu erwartenden Arbeitsplatzbedarfs wurden die Vorteile der beiden bisher verwendeten Modelle des Fraunhofer FIT und der GWS zu einem neuen präziseren Modell vereint. Maßgeblich beteiligt war hier die Forschungsgruppe Mikromodelle des Fraunhofer FIT, die bereits seit mehr als 20 Jahren im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Projektionen zum zukünftigen Arbeitsangebot erstellt.

Die Arbeitsangebotsprojektionen des Fraunhofer FIT basieren auf verschiedenen Verlaufsmodellen, mit denen der zukünftige Erwerbspersonenbestand über Zu- und Abgänge bestimmt wird. „Zentraler Ausgangspunkt für eine gute Prognose ist daher die genaue Analyse des Ist-Angebotes, wozu die Alters-, Qualifikations- und Berufsstruktur der Bevölkerung und die Erwerbsquoten in Abhängigkeit von Alter, Bildung, Geschlecht und Berufsfeld des erlernten Berufes bestimmt werden“, so Michael Kalinowski, Wissenschaftler der Forschungsgruppe Mikromodelle des Fraunhofer FIT.

Mit einkalkuliert wird auch, dass gleichzeitig neue Erwerbspersonen nachwachsen – etwa aus jüngeren Jahrgängen oder durch Zuwanderung aus dem Ausland. Hier wird nun auch die erhöhte Zuwanderung im Vergleich zu den beiden ersten Prognosen aus 2010 und 2012 berücksichtigt.

Ein zentraler Aspekt bei der Projektion der im Zeitverlauf hinzukommenden Erwerbspersonen durch Nachwachsen und Zuwanderung besteht in der Modellierung seiner Qualifikationsstruktur unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen von Bildungs- und Erwerbsbeteiligung. Hier kommt das von Fraunhofer FIT so genannte Übergangsmodell des beruflichen Bildungswesens zum Einsatz, das auf Konzepten und Methoden der Bildungsgesamtrechnung des IAB fußt und in den letzten Jahren stetig weiter entwickelt wurde. Dieser Modellansatz eignet sich wegen der expliziten Modellierung des Bildungssystems sowohl für Langfrist- als auch verlässliche Mittel- und Kurzfristprognosen. Das Übergangsmodell wurde im Rahmen des QuBe-Projektes (http://www.qube-projekt.de ) von Fraunhofer FIT erstellt. Zusammen mit der von der GWS ermittelten Erwerbsbeteiligung bis zum Jahr 2030 ist so die Bestimmung des zukünftigen Arbeitsangebots möglich.

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